Bevor ich euch erzähle, was mir an der neuen Lightroom 4 Beta gut und nicht so gut gefällt, möchte ich eines vorweg nehmen: Ich bin geplättet, was die Entwicklungsmöglichkeiten und Bildqualität betrifft. So viel konnte man noch nie aus seinen Fotos herausholen, wie mit dieser Version. Dazu zeige ich euch später ein paar Beispiele.

Ich werde nicht sämtliche neuen Features herunterbeten und einzeln vorstellen – das können andere besser und haben viele schon getan. In diesem Post werde ich mich vorrangig mit dem Entwickeln-Modul beschäftigen, nicht nur wegen der tollen Neuerungen, sondern auch weil ich damit am meisten arbeite.

Die neuen Funktionen im Entwickeln-Modul

Besonders gut gefällt mir, dass die Regler in Lightroom 4 alle auf 0 stehen und man sich das Importieren mit dem „Allgemein – Nullwert“ Preset in Zukunft sparen kann.

Grundeinstellungen in Lightroom 4

Die Sensation von Lightroom 4 dürften jedoch die Tiefen/Lichter und Schwarz/Weiß-Regler sein. Ihr könnt mit diesen viel gezielter einzelne Tonwertbereiche bearbeiten als je zuvor. Komplett überbelichtete Fotos lassen sich so bis zu einem bestimmten Grad rekonstruieren und aus den Tiefen lassen sich ebenso enorm viele Details herausholen. Das provoziert natürlich Rauschen, hält sich aber in Grenzen und Lightrooms Rauschreduzierung bekommt das meistens locker in den Griff (ich finde die Rauschreduzierung ist nochmal ein gutes Stück besser geworden!).

Sehr durchdacht ist vor allem, dass man diese vier Regler in beide Richtungen verschieben kann, also z.B. nicht nur Tiefen aufhellen, sondern auch abdunkeln kann. Schaut euch zum Beispiel mal das Foto unten an, dort seht ihr im direkten Vergleich das Original, in Lightroom 3 und 4 bearbeitet. Da geht was, oder? :)

Lightroom 4 Vergleich

Oben das Extrembeispiel bezüglich der Tiefen, nun eines für die Lichter. Das Originalfoto ist überbelichtet mit wenig Kontrasten. Das Ergebnis gefällt mir doch schon viel besser.

Vorher/Nachher

Zu guter letzt ein Foto, bei dem sowohl die Lichter ausfressen und die Tiefen absaufen. Eigentlich eine Steilvorlage für ein HDR, aber mit Lightroom 4 kann man auch dieses Foto retten. Beeindruckend, was Lightroom da rausholt!

Vorher/Nachher

Der Regler Klarheit wurde auch enorm verbessert, keine lästigen Halos mehr, wenn man ihn voll aufdreht!

An dem ersten, in Lightroom 4 bearbeiteten Foto oben habt ihr sicher bemerkt, dass die Farbtöne ein wenig anders sind als in der in LR3 bearbeiteten Version. Dies liegt an meinem persönlichen Lieblingsfeature, denn in LR4 darf man in der Gradationskurve endlich die Kanäle einzeln bearbeiten. Jippieh!

Gradationskurven in Lightroom 4

Die Objektivkorrekturen wurden verbessert, ein Klick entfernt zuverlässig sämtliche chromatischen Aberrationen im Bild. Dies geschieht nicht mehr profilbasiert und funktioniert somit auch ohne eingestelltes Objektivprofil.

Objektivkorrekturen in Lightroom 4

Last but not least ein weiteres Highlight. Der Korrekturpinsel und der Verlaufsfilter haben einige neue Regler spendiert bekommen: Weißabgleich, Tiefen, Lichter, Störungen und Moire kann man selektiv bearbeiten. Sehr nützlich, wenn man z.B. die Tiefen stark aufgehellt hat und nur in diesen Bereichen das Rauschen zurücknehmen möchte. Oder bei einer Mischlichtsituation den Weißabgleich anpassen möchte. Oder ganz aus einem Sommer- ein Herbstbild zaubern möchte (siehe Screenshot). Oder.. ach, es gibt so viele neue Möglichkeiten, da hüpft mein kleines Fotografen- und Bildbearbeiterherz!

Korrekturpinsel in Lightroom 4

Speicherfresser?

Aber kein Licht ohne Schatten, mir ist nämlich ein Detail beim Ausprobieren der neuen Version sehr negativ aufgefallen: Der Speicherverbrauch ist enorm gestiegen. Benötigt Lightroom 3 bei mir mit einem über zwei Jahre gewachsenen Katalog nur selten über 1 GB Speicher, genehmigt sich die Lightroom 4 Beta bereits mit einer Handvoll Fotos regelmäßig schon 1,5 GB (siehe Screenshot, die Versionszahlen habe ich zur besseren Kenntlichmachung eingefügt). Unter 1 GB kommt fast nicht vor.

Auch beim Laden von Daten im Entwicklungsmodul und Wechseln von Ordnern ist mir eine gewisse Trägheit aufgefallen. Es fühlt sich alles einfach ein wenig langsamer als Lightroom 3 an. Ich hoffe sehr, dass bis zum finalen Release daran noch gearbeitet wird. Was nützen denn die schönsten Features, wenn man immer wieder Kaffepausen einlegen muss, bis Lightroom fertig gerechnet hat?

Speicherverbrauch

Weiterführendes

Bewegte Bilder machen am meisten Spaß, deshalb findet ihr unten ein paar der offiziellen Videos zur Lightroom 4 Beta. Im Lightroom YouTube Kanal