Ende September erschien die Version 4 meines Lieblingsplugins für Photoshop, Lightroom und Aperture: Nik Color Efex Pro. CaptureNX bleibt bei diesem Update erstmal außen vor, da Color Efex Pro 4 mit der aktuellen Version nicht kompatibel ist. Ob und wann Version 4 mit CaptureNX funktioniert, hängt laut Nik’s FAQ von Nikon ab.

Aber wieso ist Color Efex Pro eigentlich mein Lieblingsplugin? Mich überzeugt Nik’s Bedienkonzept (das übrigens in allen Nik-Plugins gleich ist), die Qualität der Filter und die Stabilität. Die Auswahl der Filter sehr gut durchdacht, d.h. es sind nur wenige Spielereien dabei, dafür umso mehr nützliches, das den Workflow auch wirklich beschleunigt. Hinzu kommt Nik’s patentierte U-Point-Technologie, die einem oft aufwendige Masken erspart. Falls ihr noch nie mit Nik-Filtern gearbeitet habt: Die U-Points sind Punkte, durch die man den Filter an der gesetzten Stelle anpassen kann. Der Punkt erzeugt eine kreisrunde „Maske“, die allerdings nicht auf den kompletten Radius angewendet wird, sondern basierend auf den Helligskeits- und Farbwerten.

Was ist neu?

Filterkombinationen und -zusammenstellungen

Das Highlight in der neuen Version ist die Möglichkeit, Filter nun kombinieren und diese Kombination auch als Preset abspeichern zu können. Dies erleichtert die Arbeit immens, wenn man für einen bestimmten Look oft mehrere Filter nacheinander anwenden möchte. Insbesondere Lightroom-Anwender werden hier stark profitieren. Ein weiteres Plus: Man kann die Zusammenstellungen exportieren und weitergeben. Nik setzt auf die Community und hat eine Seite eingerichtet, auf der Nutzer ihre Presets teilen können.

Color Efex Pro 4 Filterzusammenstellung

Protokollbrowser

Endlich gibt es ein Protokoll ähnlich dem in Photoshop, mit dem man alle Änderungen verfolgen und bei Bedarf rückgängig machen kann. Es ist damit möglich zwischen dem aktuellen und früheren Bearbeitungsständen hin- und herzuspringen. Schade ist, dass das Protokoll gelöscht wird, sobald man den Filter anwendet. Ich hätte mir erhofft, dass man es auch wieder aufrufen kann, wenn man den Filter in Photoshop als Smartobjekt angewendet hat.

Color Efex Pro 4 Protokoll

Neue und verbesserte Filter

Details Extractor: Wirkt ähnlich dem Tiefen/Lichter-Filter in Photoshop, d.h. inbesondere die dunkelsten Tiefen und hellsten Lichter erhalten wieder Zeichnung. Im Gegensatz zum Tiefen/Lichter-Filter liefert der Detail Extractor aber bessere und ansehnlichere Ergebnisse.

Color Efex Pro 4 Details Extractor

Dark Contrasts: Erzeugt dunkle, kontrastreiche Bilder. Der Filter eignet sich sehr gut, wenn man eine düstere Stimmung erzeugen möchte.
Color Efex Pro 4 Dark Contrasts
Film Efex: Die analoge Fotografie wird wieder beliebter und so hat Nik vier verschiedene Filmeffekte in Color Efex Pro 4 integriert, um auch digitalen Fotos einen analogen Touch zu verleihen.
  • Film Efex:Faded sorgt für ausgeblichene, gealterte Fotos.
  • Film Efex:Modern simuliert aktuelle Filme (dieser Filter ist eine stark verbesserte Version des Film Effects Filter aus CEP 3)
  • Film Efex:Nostalgic erzeugt Spielzeugkamera-Effekte
  • Film Efex:Vintage simuliert die ersten Farbfilme

Für jeden Filter stehen verschiedene Filmtypen zur Verfügung, die sich wie üblich individuell einstellen lassen. Beim Modern-Filter geht Nik sogar noch einen Schritt weiter: Hier hat man die Möglichkeit tief in die Details zu gehen. So lassen sich Empfindlichkeit und Sättigung getrennt für jede Farbe anpassen, die Gradationskurve bearbeiten (auch kanalweise) und die Körnung verändern.

Color Efex Pro 4 Film Efex Faded

Color Efex Pro 4 Film Efex Modern

Color Efex Pro 4 Film Efex Nostalgic

Color Efex Pro 4 Film Efex Vintage

Image Borders: Nik hat auch an die Fans der Fotorahmen gedacht. Es stehen 14 verschiedene Rahmentypen zur Verfügung, die man selbst variieren kann. Oder man lässt sich vom Filter zufällige Parameter für den gewählten Rahmen generieren.

Color Efex Pro 4 Image Borders

Viele Filter wurden weiter verbessert, dazu zählen Brilliance/Warmth, Contrast Only, Film Efex: Modern, Film Grain, High Key, Low Key, Paper Toner, Pro Contrast, Tonal Contrast und Sunlight. Teilweise fallen die Änderungen sehr subtil aus, bei manchen merkt man es aber sofort. So liefert der beliebte Tonal Contrast Filter schon in der Standardeinstellung natürlichere Ergebnisse.

Voreinstellungen

Jeder Filter liefert nun mehrere Voreinstellungen mit, die man als Basis für die weitere Bearbeitung nutzen kann. Ich fand sie etwas schwer zu finden, daher ein Tipp an dieser Stelle: Um die Voreinstellungen aufzurufen genügt ein Klick auf den kleinen Bilderstapel rechts neben dem Filternamen.

Color Efex Pro 4 Voreinstellungen

Meine Erfahrungen

Ich habe Color Efex Pro 4 nun zwei Wochen lang testen können und bin von den Neuerungen wirklich begeistert. Meiner Meinung nach ist das Plugin nochmal ein gutes Stück performanter geworden und auch die kleinen Änderungen an der Bedienoberfläche sind gelungen.

Es ist jedoch nicht alles perfekt: So stürzte mir CEP 4 desöfteren ab, wenn ich in Lightroom mehrere Bilder zur Bearbeitung an das Plugin weitergegeben habe. Dies ließ sich nur vermeiden, wenn ich beim Wechsel zwischen den Bildern mehrere Sekunden wartete, um sicherzugehen, dass die Änderungen fertig berechnet wurden. Dieses Verhalten kenne ich aus Color Efex Pro 3 nicht (wie weiter oben beschrieben, waren Nik-Plugins auch wegen ihrer Stabilität mein Mittel der Wahl). Hier muss man abwarten, ob ein Update Verbesserung bringt. Viel mehr stört mich aber, dass es immer noch keine ordentliche Stapelverarbeitung gibt. Möchte ich in Lightroom mehrere Fotos mit den gleichen Einstellungen bearbeiten, muss ich jedes einzelne Foto durchgehen (oder auf Aktionen in Photoshop ausweichen). Die Einstellungen auf alle geöffneten Bilder zu übertragen, ist nicht möglich.

Trotzdem kann ich das Plugin nur wärmstens weiterempfehlen. Und auch ein Update von 3 auf 4 lohnt sich definitiv.